Eliza Weisheit

Eliza Weisheit

Growing Pains: Warum wir beim Girls & Boysday mittanzen.

Chelli – 12 Jahre, steht auf Hoodies. Wir haben für diesen Tag einen kompletten Arbeitstag eingeplant – und das ganz ohne Bauchschmerzen. 

Manche werden sich fragen: Warum?

Warum nur verbringt ihr einen ganzen Tag damit, einem Teenie, den ihr in aller Regel nicht kennt, in 8 Stunden das ganze Agentur-Leben in den Kopf zu hämmern? 

Die Antwort ist recht simpel: 

Das würden wir nie tun.

Schnitzel ist der Inbegriff eines im Digitalen Zeitalter aufwachsendem Teenies. 
Für sie sind Smartphones, Instagram und Facebook das Normalste der Welt. Wir wollten etwas ganz anderes erreichen – sie sollte die Entstehung solcher Dinge verstehen und erkennen, dass sie mit ihren 13 Jahren das, womit sie den Tag über berieselt wird selber erschaffen kann.  

Ein eigenes „Werk“ unter dem ganz allein ihr Name stehen wird. 

Das Projekt "Schnitzel goes lost"

Um ihr Interesse für so ein Projekt zu schüren, reicht das wissen über ihre Hobbies völlig aus – denn seien wir ehrlich: kein Teenie der Welt geht darin auf, Enten im Wasser, die Büroeinrichtung oder Mitarbeiter beim Arbeiten zu filmen.

 Schnitzel sitzt gerne stundenlang am Rechner und geht mit ihren Kumpels auf Lost-Place Tour, wo sie durch alte verlassene Fabriken und Häuser stiefeln.

Zack, da war die perfekte Idee geboren: Ein Film über eine Lost Place Tour, den sie selber schneiden wird, die Musik raussucht und die Aufnahmen selber macht. Und um noch einen oben drauf zu setzen, haben wir aufnahmen von ihr beim filmen mit einfließen lassen – somit war sie die einzige in ihrer Klasse, wo die Mitschüler tatsächlich sehen konnten, was sie gemacht hat.

Das Hosentaschen-Werkzeug

Damit sie versteht, dass sie das Werkzeug dafür jeden Tag in ihrer Hosentasche mit sich herum trägt, hat sie all ihre Aufnahmen mit ihrem eigenen Handy gefilmt. Wir haben die Grundlagen erst mit einem Stabilisator für Telefonkameras geübt und später freihändig.

Und dann gibt es auch schon zum Lost Place, einem alten Güterbahnhof mit einigen angrenzenden leeren Fabrikgebäuden. Nach 10 Minuten war das Eis gebrochen und ich musste ihr keine Anweisungen mehr geben, es war einfach wunderbar zu sehen, wie dieses junge Geschöpf zwischen den Häusern herumschlich und eine Idee nach der anderen heraussprudelte, während sie im Kopf ihren Film hatte. 

Nach 3 Stunden und 2 leeren Akkus gab es eine schöpferische Pause ganz stilecht  mit Salamipizza

Pick. Snip. Trim. Repeat.

Dann ging es ans Adobe Premiere Programm. Zum nächsten teil habe ich leider nicht viel zu erzählen, denn ich war scheinbar „überflüssig.“ Ich habe Schnitzel noch die Grundfunktionen des Videoschnitts erklärt – sortieren, auswählen, schneiden, schieben, Leertaste los – Leertaste stopp. Bis auf zwei fragen zu Tastatur-Kürzeln habe ich ca. 3 Stunden nichts von ihr gehört ausser *klick klick klick*

Nunja, in dem Atemzug wurde wenigstens der Aufwasch mal gemacht und das Büro aufgeräumt.

Am Ende haben wir noch an ein paar Feinheiten gefeilt und leider im spannendsten Moment aufhören müssen – denn sie war an dem Punkt angekommen, wo sie ihr ganzes Video in Komplett sehen konnte es in ihrem Kopf anfing zu rattern, was man wo noch optimieren könnte, wo etwas nicht ganz passt und und und… Dementsprechend ist das Video für mich eine „Rohfassung“.

Und warum nun?

Es tut mir um ehrlich zu sein einfach nur weh, wenn Kindern nicht die Möglichkeiten geben werden, ihr Potential zu entfalten. Schnitzel ist in diesem Fall das beste Beispiel dafür: Sie tendiert aktuell sehr stark in die Richtung Digitale Medien, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie hat für dieses Video die einfachsten Mittel benutzt – ein Telefon und die Grundzüge eines Schnittprogrammes, die in jedem kostenlosen Programm dabei sind.

Dieses Mädchen saß über 3 Stunden ohne Pause an einem Videoschnittprogramm, welches sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat und sie hat sämtliche Funktionen sofort begriffen. Das ist ihr erstes Video und ich möchte, dass ihr euch Vorstellt, wie ihr zwanzigstes Video wohl aussehen wird – oder eines, wenn sie 18 Jahre alt ist. So etwas muss schlicht und einfach gefördert werden – und es hat 100%ig Zukunft. Jeder von uns konsumiert täglich Videos und andere Medien – deshalb liegt sie mit ihrem Können voll in der Zeit. 

Es macht mich extrem wütend und traurig zugleich, wenn solche großartigen Tage wie der Girls- und Boysday dazu benutzt werden, die Kinder als besser Kaffeekocher einzusetzen oder sie Regale einräumen zu lassen. Ich weiß, dass nicht jeder in einer kreativen Branche unterwegs ist, aber das geht auch an die Eltern –  kümmert euch doch bitte darum, dass ihr eurem Kind die Möglichkeiten zeigt, die es haben kann, nicht das, was am Ende übrig bleibt. Welches Kind hat Lust auf das Arbeitsleben, wenn es beim Girlsday oder auch beim Praktikum den ganzen Tag Shampooflaschen ins Regal bei Rossmann stapelt? 

Hört auf, eurem Kind in dem Alter schon die Illusion zu nehmen, dass es etwas lernen kann, was es erfüllt. Ich habe keine Marketingagentur gegründet, um den ganzen Tag nur am Rechner zu sitzen und mich mit der Steuer herumzuärgern. (Denn da treffen meine Angst vor kleinen Kästchen und meine Abneigung gegen Mathe aufeinander) Ich liebe den Moment, wenn ich ein Produkt oder eine Werbung oder eine erfolgreiche Firma sehe und weiss: 

Jepp, das hast du gemacht. 

Und das ist das essentielle an diesem Beruf und auch bei anderen. Schnitzel ist sehr stolz auf ihr Video – und das darf sie auch sein!  

Wer schreibt hier?

Als CEO und Kreativkopf der Agentur bin ich auf Markenentwicklung und Konzeption spezialisiert. Ich unterstütze Kunden dabei, ihre Marke auszubauen oder zu überarbeiten. Zudem begleite ich Gründer bei ihren ersten Schritten und entwickle mit ihnen gemeinsam in kurzer Zeit ein passendes Logo oder eine Website für ihr Business. 

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